Österreichischer Expertenkonsens zur Resuscitative Thoracotomy bei traumatischem Herz-Kreislauf-Stillstand veröffentlicht
Die Resuscitative Thoracotomy (RT) zählt zu den invasivsten und zugleich potenziell lebensrettenden Maßnahmen in der Notfallmedizin. Während das Verfahren international insbesondere bei penetrierenden Thoraxverletzungen etabliert ist, stellt seine Umsetzung in Ländern mit einer vergleichsweise geringen Anzahl solcher Verletzungen eine besondere Herausforderung dar.
Unter Beteiligung der Österreichischen Gesellschaft für Notfall- und Katastrophenmedizin (ÖNK) wurde nun erstmals ein österreichweiter, multidisziplinärer Expertenkonsens zur Anwendung und Implementierung der RT veröffentlicht. Das Konsensuspapier vereint die Expertise von 24 Fachleuten aus zehn medizinischen Fachgesellschaften sowie zwei großen Rettungsorganisationen und wurde in einem strukturierten Delphi-Verfahren entwickelt.
Ziel des Projekts war es, praxisnahe Empfehlungen für Gesundheitssysteme mit niedriger Prävalenz penetrierender Traumata zu formulieren. Der Konsens behandelt dabei nicht nur die medizinischen Indikationen der RT, sondern auch notwendige Systemvoraussetzungen, organisatorische Abläufe, präklinische Besonderheiten, Ausbildungskonzepte, Qualitätsmanagement, sowie ethische und rechtliche Fragestellungen. Besonders hervorgehoben wird die Bedeutung klar definierter Indikationen, spezialisierter Aus- und Fortbildung, und einer engen Zusammenarbeit zwischen Rettungsdienst, Notaufnahmen, Traumazentren und chirurgischen Fachdisziplinen.
Die Expertengruppe betont, dass die Einführung der RT nur in entsprechend vorbereiteten Systemen erfolgen sollte. Dazu gehören unter anderem der arztbesetzte Rettungsdienst, die Verfügbarkeit eines überregionalen Traumazentrums mit thorax- und/oder herzchirurgischer Expertise, sowie strukturierte Trainings- und Qualitätssicherungsprogramme. Als bevorzugte technische Vorgehensweise wird die sogenannte „Clamshell-Thorakotomie“ empfohlen.
Die Veröffentlichung stellt einen wichtigen Schritt dar, um die Versorgung von Patient*innen mit traumatischem Herz-Kreislauf-Stillstand in Österreich weiterzuentwickeln und gleichzeitig hohe Qualitäts- und Sicherheitsstandards zu gewährleisten. Die Empfehlungen können darüber hinaus auch anderen Ländern mit vergleichbaren Rahmenbedingungen als Orientierung dienen.
Die ÖNK freut sich, an diesem richtungsweisenden Projekt mitgewirkt zu haben und damit einen Beitrag zur evidenzbasierten Weiterentwicklung der Notfallmedizin in Österreich zu leisten.
